Zahlen und Infos: Verläufe Erkrankungen der unteren Atemwege

Das Robert-Koch-Institut beobachtet seit Jahren die Verläufe von akuten Erkrankungen der unteren Atemwege (ARE, z.B. Grippe, Lungenentzündung / Pneumonie) anhand von Daten von Praxen (Praxisindex), Schätzungen oder Informationen von Krankenhäusern. Es zeigt sich dabei, dass die Verläufe im Jahr 2020 ähnlich denen der vorherigen Jahre sind. Anhand der SARI-Zahlen (siehe Grafik unten) kann man erkennen, dass die Zahlen dieser schweren Erkrankungen in etwa den Vorjahren entsprechen, aber zusätzlich wird der Anteil an Covid-19-Patienten ermittelt, der aktuell offenbar den größten Teil der SARI-Fälle ausmacht.

Todesfälle durch Grippe-ähnliche Erkrankungen bzw. Erkrankungen der unteren Atemwege

2018 J09-J22 Grippe und Pneumonie, sonst. Inf. d. unteren Atemwege 23.929
2017 J09-J22 Grippe und Pneumonie, sonst. Inf. d. unteren Atemwege 21.413
2016 J09-J22 Grippe und Pneumonie, sonst. Inf. d. unteren Atemwege 19.587
2015 J09-J22 Grippe und Pneumonie, sonst. Inf. d. unteren Atemwege 21.559
2014 J09-J22 Grippe und Pneumonie, sonst. Inf. d. unteren Atemwege 17.264

Todesfälle pro Jahr für Grippe und Pneumonie (Lungenentzündung) u.ä. Summe der verschiedenen Todesursachen nach ICD10-KlassifizierungQuelle: Statistisches Bundesamt. Übersicht 1975-2015: https://www.statistischebibliothek.de/mir/receive/DESerie_mods_00000123, 2017-2018: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html,
2016: https://www.statistischebibliothek.de/mir/receive/DEHeft_mods_00096650
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Grippe-Fälle Saison 2019/2020, Hospitalisierung

Seit der 40. MW [Meldewoche] 2019 wurden insgesamt 188.102 labordiagnostisch bestätigte Influenzavirus-Infektionen [Grippe] an das RKI übermittelt. Bei 30.170 (16 %) Fällen war angegeben, dass die Patienten hospitalisiert waren (Datenstand 8.9.2020)Quelle: Influenza-Monatsbericht KW33-36/2020, Arbeitsgemeinschaft Influenza, RKI: https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-36.pdf. (40% Hospitalisierung von 334 Influenzafällen von KW 40/2020 - KW 2/2021 Influenza-Wochenbericht 2/2021, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2021-02.pdf.)

Verläufe von Erkrankungen der unteren Atemwege ("ARE")

Der Verlauf von Erkrankungen der unteren Atemwege ist ähnlich den Verläufen der Vorjahre. Dies kann man u.a. am "Praxisindex" erkennen.

Deutschland: Praxisindex (Erkrankungen der unteren Atemwege ("ARE"))

Grafik Praxisindex
„Praxis-Index“: Praxis-Besuche bzgl. akuter Atemwegs-Erkrankungen

Der "Praxisindex" spiegelt Daten von Arztpraxen und den Abweichungen vom Normalbetrieb bzgl. Erkrankungen der unteren AtemwegeQuelle: RKI https://influenza.rki.de/Diagrams.aspx?agiRegion=0 - dort ist die aktuelle Grafik für die neu begonnene Saison zu sehen, ältere Grafik z.B. hier: https://influenza.rki.de/Graphs/2019_2020/32/00_Practiceindex_32_20192020.gif
Die Datenbasis der gezeigten Grafik wurde aus den genannten Grafiken des RKI gewonnen und auf die einzelnen Jahre von KW 1 bis 52 umsortiert.
. Ein Anstieg ab Mitte August ist offenbar normal (wo auch die Corona-Infektionszahlen seit Mitte August steigen).

Grundsätzlich verläuft die Kurve 2020 eher unterdurchschnittlich (der Rückgang KW 16-30 könnte dem Lockdown zugeschrieben werden). Im Moment steigt der Praxis-Index wieder an, verhält sich aber noch nicht sehr ungewöhnlich.

Auf den Grippe-Seitenhttps://grippeweb.rki.de/ des RKI sind weitere Grafiken zu finden mit weiteren Berechnungen bzgl. ARE (Akute Erkrankung der unteren Atemwege) und ILI (ARE mit Fieber). Hier zeigt sich für die aktuellen Wochen ein unterdurchschnittlicher Verlauf.

Deutschland: Schwere Aktute Erkrankungen der unteren Atemwege (SARI) 2018-2020 im Vergleich

Grafik SARI 2018-2020

Anzahl von Fällen von Schweren Aktuten Erkrankungen der unteren Atemwege (SARI) im Vergleich 2018, 2019 und 2020. Quelle: RKI Influenza-Wochenbererichte 40/2019 und 44/2020: https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2019-40.pdf, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-48.pdf, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-51.pdf - Da keine Zahlen direkt aufgfunden werden konnten, wurden die Zahlen aus den Grafiken zu SARI-Fällen in den Wochenberichten ermittelt und die Gesamtsumme ermittelt. Dadurch sind Ungenauigkeiten nicht zu vermeiden, aber hier soll es auf die Dimensionen ankommen.
Die SARI-Zahlen werden set 2014 erfasst: "Das ICOSARI-Sentinel erfasst seit der 40. Kalenderwoche (KW) 2014 Daten und Diagnosecodes von Patienten mit schweren akuten respiratorischen Infektionen (SARI) aus 70 Akutkrankenhäusern. Dabei ist eine solide Datengrundlage von SARI-Patienten entstanden, die während und nach der Grippewelle zur Einschätzung der Schwere einer Welle herangezogen wird." https://gpk.de/downloadp/STIKO_2020_Bulletin_KW_41_08102020_Hoehere_Letalitaet_COVID-19_Vergleich_Influenza.pdf
Im gesamten Verlauf des Jahres 2020 sind keine überdurchschnittlichen Vorkommen von schweren aktuten Erkrankungen der unteren Atemwege zu erkennen.Anzumerken ist, dass sich die RKI-SARI-Werte offenbar auf Verläufe mit bis zu einer Woche Krankenhausaufenthalt bezieht. Inwieweit die Werte bzgl. längerer Dauer sich unterscheiden, kann man hieran nicht erkennen.

Deutschland: Schwere Aktute Erkrankungen der unteren Atemwege (SARI) und Covid-19-Anteil

Grafik SARI

Schwere Aktute Erkrankungen der unteren Atemwege (SARI) und Anteil von Covid-19Quelle: RKI: https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-39.pdf, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-48.pdf, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2021-02.pdf, die dort in der Grafik zu SARI-Fällen gezeigten Daten wurden hier anders aufbereitet, um die Relationen besser erkennen zu können. In den Berichten werden allerdings nur Fälle erfasst, die maximal 1 Woche dauern. Vermutlich müsste man hierzu auch die entsprechenden Intensiv-Fälle mit berücksichtigen, wozu aber bisher keine Daten gefunden wurden.. Diese SARI-Zahlen bewegen sich auf Jahreszeit üblichen Niveau Vgl. Influenza-Monatsbericht KW37-39/2020, Arbeitsgemeinschaft Influenza, RKI, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-39.pdf, Influenza-Monatsbericht KW33-36/2020, Arbeitsgemeinschaft Influenza, RKI, https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-36.pdf - man kann erkennen, dass der Anteil von Covid-Patienten an SARI-Patienten deutlich steigt, aber die Gesamtzahl der SARI-Patienten bleibt im üblichen Rahmen, was man in der oberen Grafik erkennen kann.

Allerdings müssen Covid-19-Patienten mit SARI deutlich häufiger intensiv behandelt (37% vs. 32%) bzw. beatmet werden (22% vs. 14%) als Patienten mit anderen SARI-Erkrankungen bzw. vergleichbaren Grippe-FällenRKI Epidemiologisches Bulletin 41 2020, S.5: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/41_20.pdf?__blob=publicationFile . (Fraglich bleibt dabei die Vergleichbarkeit. Denn hier wird eine neue Virusvariante verglichen mit einem Mittel aus verschiedenen Influenza-Varianten. Wäre der Unterschied auch so deutlich, würde man Covid-19 vergleichen mit Influenza X, als diese Variante neu war?)